EHF EURO 2028: Zwei Adler kämpfen mit ÖHB-Team ums Ticket

Norwegen, Georgien und die Türkei heißen die Gegner auf Österreichs Weg zur EHF EURO 2028. Das Ziel: die sechste Teilnahme an einer Europameisterschaft in Folge. Und wenn es nach Österreichs Männern mit den beiden Adlern Emanuel Petrusic und Michael Miskovez geht, darf es gerne mehr sein als „nur“ das Ticket. Mit Norwegen will man sich um Platz eins matchen. Am Mittwoch um 18 Uhr empfängt man zum Auftakt im Raiffeisen Sportpark Graz die Türkei. Das Spiel wird auf ORF SPORT+ live übertragen. Am Sonntag wartet auswärts Georgien, 15 Uhr live auf ORF 1!
Seit 2018 gehört Österreich zum fixen Inventar bei Europameisterschaften. Kroatien 2018, die Heim-EURO 2020, Ungarn und die Slowakei 2022, Deutschland 2024 und zuletzt Dänemark, Norwegen und Schweden 2026 – fünf Endrunden in Serie. Nummer sechs soll von 13. bis 30. Jänner 2028 in Spanien, Portugal und der Schweiz folgen. Der Weg dorthin führt über Norwegen, Georgien und die Türkei. Sechs Spiele, drei Länderspielfenster, drei Heimspiele. Die Ausgangslage ist klar: Die ersten beiden jeder der acht Vierergruppen lösen direkt ihr EURO-Ticket, dazu kommen die vier besten Gruppendritten.
Für ÖHB-Sportdirektor Patrick Fölser geht es dabei um mehr als eine weitere Endrundenteilnahme. Österreich hat sich in den vergangenen Jahren auf der internationalen Bühne etabliert – und genau dort soll das Nationalteam bleiben. „Wir haben uns über viele Jahre eine Position erarbeitet, in der die Teilnahme an einer EURO unser klarer Anspruch sein muss. Diese Kontinuität ist für die Entwicklung des österreichischen Handballs enorm wichtig. Endrunden bringen uns Spiele gegen die Besten, schaffen Aufmerksamkeit und begeistern Kinder und Jugendliche für unseren Sport. Deshalb gibt es für uns ein klares Ziel: Wir wollen 2028 wieder dabei sein.“
Auftakt vor Heimpublikum
Los geht es am 4. November im Raiffeisen Sportpark Graz gegen die Türkei. Vier Tage später wartet in Tiflis Georgien. Ein Auftakt, der gleich die Richtung vorgeben kann. Denn so klar die Rollen auf dem Papier verteilt scheinen mögen, so eindringlich warnt Teamchef Iker Romero davor, einen der Gegner zu unterschätzen. „Unser erstes Ziel ist die Qualifikation. Darüber müssen wir nicht diskutieren. Aber es gibt keine einfachen Spiele. Die Türkei und Georgien haben in den vergangenen Jahren Schritte nach vorne gemacht und gerade auswärts musst du gegen diese Mannschaften bereit sein, 60 Minuten zu kämpfen. Wir wollen vom ersten Spiel an zeigen, mit welcher Energie und welchem Selbstverständnis wir diese Qualifikation bestreiten.“
Beide Gegner sind Österreich bestens bekannt. Gegen die Türkei setzte sich das ÖHB-Team bereits auf dem Weg zur EURO 2026 zweimal durch – 31:28 zuhause und 34:29 auswärts. Georgien war Gegner im Playoff zur WM 2025. Auch damals ging Österreich zweimal als Sieger vom Feld: 27:25 in Tiflis und 37:31 zuhause.
Für Lukas Hutecek sind diese Ergebnisse Auftrag und Warnung zugleich: „Natürlich gehen wir gegen die Türkei und Georgien als Favorit in die Spiele und diese Rolle nehmen wir an. Unser Anspruch muss sein, diese vier Spiele zu gewinnen. Aber wir haben selbst erlebt, wie unangenehm beide Mannschaften sein können. Du bekommst auf diesem Niveau nichts geschenkt. Wir müssen in jedem Spiel von Beginn an voll da sein.“
Norwegen als Gradmesser
Der große Gradmesser wartet im März 2027. Innerhalb weniger Tage trifft Österreich zweimal auf Norwegen – zunächst am 10. März in der Wiener neuro.io Arena, danach auswärts. Es könnten jene beiden Partien sein, in denen die Entscheidung um Platz eins in Gruppe 2 fällt. Norwegen zählt seit Jahren zur internationalen Spitze. Verstecken will sich Österreich vor den Skandinaviern dennoch nicht. „Wir respektieren Norwegen, aber Respekt bedeutet nicht, dass wir mit Platz zwei zufrieden sind“, stellt Romero klar. „Wir haben gezeigt, dass wir gegen große Nationen bestehen können. Wenn wir unser Niveau erreichen, kompakt verteidigen, Tempo machen und mutig spielen, können wir auch Norwegen schlagen. Wir wollen uns mit ihnen um Platz eins duellieren.“
Dass Österreich zunächst zu Hause antreten darf, könnte dabei zum Faktor werden. Die neuro.io Arena soll zum rot-weiß-roten Hexenkessel werden. Hutecek: „Unsere Fans haben uns in den vergangenen Jahren unglaublich getragen. Wenn eine Halle voll ist und du diese Energie von der Tribüne spürst, macht das etwas mit dir – und auch mit dem Gegner. Gerade gegen Norwegen kann dieser Heimvorteil entscheidend sein. Sie sollen vom ersten Moment an merken, dass hier nicht nur eine Mannschaft auf sie wartet, sondern eine ganze Halle.“
Graz, Wien, Linz
Drei Heimspiele, drei Bundesländer, drei Arenen: Nach dem Auftakt gegen die Türkei in Graz und dem Duell mit Norwegen in Wien endet die Qualifikation am 9. Mai 2027 in der Linzer TipsArena gegen Georgien. Damit kehrt das Nationalteam an einen Ort zurück, der in der Geschichte des österreichischen Handballs einen besonderen Platz einnimmt. Bei der Heim-EURO 2010 sorgten 6000 Fans dort für eine Atmosphäre, die bis heute unvergessen ist. Österreich rang dem späteren Bronzemedaillengewinner Island ein 37:37 ab und besiegte zwei Tage später Serbien 37:31. Mittendrin damals: der heutige Sportdirektor Patrick Fölser.
Sebastian Frimmel weiß, welche Kraft solche Heimspiele entwickeln können: „Wir haben das Privileg, dass wir mittlerweile in ganz Österreich vor einer großartigen Kulisse spielen dürfen. Egal ob Graz, Wien oder Linz – die Leute stehen hinter uns. Für uns Spieler gibt es wenig Schöneres, als im Nationalteam in eine volle Halle einzulaufen. Diese Energie wollen wir mitnehmen und den Fans mit Siegen etwas zurückgeben.“
Dass die Qualifikation ausgerechnet in Linz endet, könnte für einen besonderen Abschluss sorgen. Im Idealfall soll das EURO-Ticket zu diesem Zeitpunkt längst abgesichert sein. Frimmel: „Unser Ziel muss sein, dass wir nicht bis zum letzten Spiel zittern müssen. Wir wollen gegen die Türkei und Georgien unsere Hausaufgaben machen und uns mit Norwegen um Platz eins matchen. Und wenn wir am Ende in Linz gemeinsam mit unseren Fans die Qualifikation feiern können, wäre das natürlich perfekt.“
Selbstbewusst, aber gewarnt
Die Rollen scheinen verteilt, die Zielsetzung ebenso. Doch gerade die jüngere Vergangenheit liefert genügend Argumente dafür, keinen Gegner auf die leichte Schulter zu nehmen. Georgien qualifizierte sich bereits erfolgreich für die EHF EURO 2026, die Türkei sicherte sich ihren Platz für die Qualifikation zur nächsten Endrunde über die Promotion Round, in der sie Bulgarien mit einem Gesamtscore von 75:64 bezwang.
Österreich geht dennoch mit einem gewachsenen Selbstverständnis in die sechs Spiele. Nicht mehr nur dabei sein, sondern gestalten. Nicht rechnen, sondern gewinnen. Und sich dabei mit Norwegen um den Gruppensieg duellieren. Fölser bringt den Anspruch auf den Punkt: „Diese Mannschaft hat in den vergangenen Jahren bewiesen, dass sie auf der großen Bühne bestehen kann. Genau dort wollen wir wieder hin. Aber eine EURO-Teilnahme bekommst du nicht aufgrund der Ergebnisse der Vergangenheit geschenkt. Wir müssen sie uns neu verdienen – in jedem Spiel, um jeden Punkt.“ Der erste Schritt soll am 4. November in Graz folgen.
Qualifikation zur Men’s EHF EURO 2028
bis 30. Jänner 2028
Ausrichter: Spanien, Portugal, Schweiz
Titelverteidiger: Dänemark
Qualigruppe 2: Norwegen, Österreich, Georgien, Türkei
Spielplan Österreich
Österreich vs. Türkei: Mi., 4. November 2026, 18:00 Uhr, Raiffeisen Sportpark Graz Live auf ORF SPORT +
Georgien vs. Österreich: So., 8. November 2026, 15:00 Uhr, Tiflis Live auf ORF 1
Österreich vs. Norwegen: Mi., 10. März 2027, 18:00 Uhr, neuro.io Arena Wien ÖHB-Ticketshop
Norwegen vs. Österreich: 13./14. März 2027, Norwegen
Türkei vs. Österreich: 5./6. Mai 2027, Türkei
Österreich vs. Georgien: So., 9. Mai 2027, 18:00 Uhr, TipsArena Linz ÖHB-Ticketshop





Kommentare