„Aus unseren Möglichkeiten das Beste machen“

Drei Spielzeiten hat Christoph Jauernik an der Seitenlinie bei Sparkasse Schwaz Handball Tirol bereits hinter sich. 2025 holte der 42-jährige Deutsche mit den Adlern den Cup- und Supercuptitel. Ein Gespräch über Erwartungshaltung, Entwicklungen und Potenziale.
Christoph, du bist in deiner vierten Saison als Trainer bei Sparkasse Schwaz Handball Tirol. Wie bewertest du die vergangene Spielzeit, die knapp nicht ins Viertelfinale der HLA MEISTERLIGA geführt hat?
CHRISTOPH JAUERNIK: Mit dem Ausgang des Grunddurchgangs bin ich nicht zufrieden. Wir haben es in einer sehr engen Tabellenkonstellation versäumt, die Play-offs zu sichern. Sowohl in der Endphase des Grunddurchgangs als auch in Phasen davor haben wir nicht die optimal Punkteausbeute erreicht. Auch wenn wir insgesamt in der Saison 2025/2026 von unseren 36 Pflichtspielen mit Supercup, HLA MEISTERLIGA, ÖHB-Cup und European Cup mehr Spiele gewonnen als verloren haben, hat man das in der HLA-Tabelle so nicht ablesen können.
Du konntest bislang zwei Titel mit den Adlern einfahren – Cupsieg und Supercupsieg 2025. Inwieweit hat das die Erwartungshaltung im Verein verändert? Und deine eigene? Die Titel waren der Lohn für intensive Arbeit mit der Mannschaft und im Umfeld. Sollte jemand der Meinung sein, dass sich aus zurückliegenden Erfolgen Ableitungen für die Zukunft treffen lassen, dann hat er den Leistungssport nicht verstanden. Meine persönliche Erwartung ist immer, dass wir aus unseren sportlichen Möglichkeiten das Beste machen. Das erste Ziel ist es, dahin vorzustoßen, wo danach um Titel gespielt wird. Konkret Final Four im Cup und Play-offs in der Liga.
Welche Entwicklung hat die Mannschaft in den vergangenen Jahren genommen? Die Mannschaft gilt sicher als unangenehmer Gegner innerhalb der HLA. Was die Konstanz unserer Leistungen betrifft, haben wir in der letzten Spielzeit nicht das abgerufen, was wir davor schon dauerhafter gezeigt hatten. An der Konstanz müssen wir weiter in der neuen Konstellation arbeiten. Im individuellen Bereich haben sich einzelne Spieler deutlich entwickelt. Das muss auch in Zukunft das Fundament der Mannschaftsentwicklung sein.
Was war in den letzten Jahren besonders positiv, worin wiederum siehst du weiter Verbesserungspotenzial, sowohl was die Mannschaft als auch strukturell den Verein anbelangt? Im sportlichen Bereich wollen wir uns ohnehin immer weiter verbessern. Ob das in den Grundlagen, im Erarbeiten neuer Potenziale, spezifischen Details oder nur Konstanz auf höherem Niveau ist, kann durchaus ganz unterschiedlich sein. Viel Arbeit im Verein fußt auf ehrenamtlichem Engagement. Wir haben eine sehr gute Unterstützung von Partnern und Sponsoren. Realistischerweise wird eine mittel- und langfristige Sicherung oder Weiterentwicklung sowohl im HLA-Bereich als auch im Nachwuchs vor allem aber mit zusätzlichen wirtschaftlichen Möglichkeiten und nicht mit Einsparungen einhergehen.
Der Kader hat sich doch ein wenig verändert, vier Spieler mit viel HLA-Erfahrung haben ihre Karrieren beendet, dafür gibt es junge Neuzugänge. Welches Potenzial steckt in diesem Team? Es stimmt, dass wir viel Erfahrung verloren haben. Auf der anderen Seite haben die neuen Spieler schon in der Vorbereitung gezeigt, dass sie eine Bereicherung für das Team sein können. Der nächste Schritt ist für sie, dies auch im Spielalltag der HLA unter Beweis zu stellen. Wenn all unsere Spieler weitestgehend gesund sind, dann bin ich mir sicher, dass wir die Play-offs erreichen und auch im Cup weit kommen können.
Wie beschreibst du die Neuen Jonas Riecke, Robin Leunissen und Jonas Staudinger, welchen Part nehmen sie im Team ein? Jonas Riecke ist ein talentierter Linkshänder für den rechten Rückraum. Wir konnten ihn davon überzeugen, dass wir für ihn ein guter Entwicklungsschritt sind. Wir haben zusammen mit ihm und Luca Lechleitner (beide 21 Jahre) ein sehr talentiertes Duo im rechten Rückraum für die kommende Spielzeit. Robin Leunissen kann uns im linken Rückraum und als Spielmacher helfen. Er ist immer mit voller Überzeugung bei der Sache. Robin hat schon Erfahrungen aus der 2. und 3. Liga in Deutschland. Mit seinem Durchsetzungsvermögen passt er gut zu dem von uns präferierten Spiel. Jonas Staudinger ist ein Eigenbauspieler auf der rechten Außenposition. Von Absam über Innsbruck ist er zu uns ins HLA-Team gekommen. Durch die Verletzungen von Filip Peric und Philipp Jochimsen hatte er schon viel Spielzeit in der Vorbereitung. An das höhere Spielniveau konnte er sich entsprechend etwas gewöhnen. Geplant ist er derzeit bei uns im HLA-Kader, er wird aber sicher auch ein paar zusätzliche Einsätze im Future Team haben.
Einer deiner Söhne hat in diesem Jahr mit der Schwazer U11 Silber bei der Staatsmeisterschaft geholt. Wie siehst du den Tiroler Handball in der Jugendarbeit aktuell aufgestellt? Inwiefern können wir hier noch weiter optimieren, um die Sportart für Kinder und Jugendliche zu attraktivieren? Mit mehreren Trainingsmöglichkeiten pro Woche in jeder Altersklasse, verschiedenen Schulkooperationen, den Future Days, dem Hort im Paulinum und anderem mehr haben wir ein sehr breites Angebot, um Kinder mit dem Handball in Kontakt zu bringen. Das beizubehalten oder punktuell auszubauen, bedarf stets dem Engagement aller aktiv Beteiligten aber auch einer starken Unterstützung von Partnern und Sponsoren. Inwieweit die jüngsten Erfolge auf die Strukturen unseres Vereins zurückzuführen sind, müssen wir beweisen, indem in einer gewissen Regelmäßigkeit vergleichbare Ergebnisse mit den nachfolgenden Jahrgängen erreicht werden. Es ist für mich unstrittig, dass ein Mehraufwand in jeder Hinsicht nötig ist, um die jetzt erfolgreich aufgebaute breite Basis der Nachwuchspyramide schneller und zielgerichtet an das HLA-Niveau nach oben zu führen.





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